Dienstag, 27. Januar 2015

Hotline - von Psychothriller leider ganz weit entfernt!

Hotline

von Jutta Maria Herrmann

erschienen im Knaur Verlag








 
Geben wir es doch zu: Schlägt ein Buch komplett durch und ist somit in aller Munde, werden ähnliche Bücher auf den Markt gehauen. So auch hier.
Angefangen bei den ersten Kapiteln mit "Davor" und "Danach" die noch dazu aus der Tätersicht geschrieben sind, über die Idee eines Start Up Unternehmens was es so noch nicht gegeben hat, mit der selbe Anzahl Protagonisten - die noch dazu auch in einer WG zusammen wohnen, über den gleichen Schauplatz, nämlich Berlin scheint das Buch eindeutige Parallelen zu Zoran Drvenkar's "Sorry" aufzuweisen.
Doch konnte mich Drvenkar auf eine faszinierende Lesereise mitnehmen, verliert sich Herrmann in Alltagsbanalitäten.

Die Kapitel sind in Tage unterteilt, in deren Verlauf wir die vier Protagonisten Chris, Rick, Paula und Konrad kennenlernen. Wir begleiten sie auf dem Weg zur Arbeit, beim Joggen, Duschen, Leben.
Vielleicht sind es für mich gerade die ausschweifenden Tagesabläufe gewesen, die gar keinen Platz für den Spannungsablauf gelassen haben.

Dabei wirkt die Sprache auf mich gekünstelt,

"Nach einer Stunde im Park fühlt Rick sich wieder im Einklang mit sich und seinem Körper."
S. 82

an manchen Stellen unnötig verlängert durch allzu detaillierte Beschreibungen

"Er seift sich ein und nimmt den Duschkopf in die Hand, um die Seife von seinem Körper abzuspülen. Auf seinen Lippen schmeckt er zu seinem Erstaunen den salzigen Geschmack von Tränen. Ihm ist nicht bewusst, dass er geweint hat. Er hebt das Gesicht in den Wasserstrahl und bleibt so lange darunter stehen, bis das Wasser allmählich kalt wird. Dann dreht er den Hahn wieder zu, steigt aus der Wanne und greift sich sein grünes Handtuch, das neben Chris' schwarzem an der Wand hängt. Das mit den unterschiedlichen Farben war Paulas Idee. Damit es keine Verwechslungen gibt. Rick ist es ziemlich egal, mit welchem Handtuch er sich abtrocknet, aber Paula hat darauf bestanden, dass jeder sich eine andere Handtuch-Farbe aussucht."
S. 84

und teils altmodisch formuliert

"Wie es ihr wohl ergangen sein mag?"
S. 108

Doch das Schlimmste ist für mich die Bezeichnung "Psychothriller", die einem sogar auf dem Cover schon entgegen hüpft! Dabei ist das Cover für mich noch das raffinierteste am ganzen Buch! Auf den ersten Blick ist nicht gleich zu erkennen, dass es sich hierbei um das Innere eines Kartons handelt, was perfekt zur Geschichte abgestimmt ist.

Der einzige Psychothrill den es für mich gab, war mich durch 331 Seiten zu schleppen, obwohl ich schon nach gut 1/3 des Buches wußte, wer der Täter ist. Diese Erkenntnis drängt sich beim Lesen regelrecht auf, Herrmann versucht gar nicht erst falsche Fährten zu legen. Dazu noch jede Menge Logiklöcher und skurille Einblendungen zu den Charakteren, die dann liegen gelassen werden und wohl nur zum Seitenauffüllen dienen. Die "große Auflösung" mit dem dramatischen Ende hätte es für mich gar nicht mehr gebraucht.

Sorry, dann doch lieber fernsehen...





Kommentare:

  1. Oh nein, nein, nein :(
    Das Buch steht schon seit geraumer Zeit auf meiner WuLi und nachdem ich deine Rezi gelesen hab, muss ich leider sagen: in einem Thriller haben Alltagsbanalitäten leider wirklich nichts zu suchen. Da hast du vollkommen recht.

    Auch deine anderen Kritikpunkte sind für mich ein No-Go in so einem Buch. Oh man, wirklich schaden.... Werd mir auf jeden Fall nochmal überlegen, ob ich das Buch wirklich lesen will. Zumindest rutscht es auf der Prioritäten-Liste erst mal nach unten

    Viele allerliebste Grüße
    Nelly

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    1. Gerade bei Thrillern merke ich, dass ich oft kritischer bin als andere. So konnte ich zum Beispiel auch gar nichts mit Krähenmädchen anfangen, weil ich auch dort schon schnell gesehen habe, wie die Geschichte aufgelöst werden soll.
      Bei Amazon gibt es nämlich überwiegend gute Bewertungen zu dem Buch. Sicherheitshalber kannst du es dir ja ausleihen.

      Übrigens vertausch ich auch mein Exemplar ;)

      Und vielleicht hätte das Buch einen Kuno mehr bekommen, wenn ich "Sorry" nicht schon gekannt hätte. So fand ich es als Erstlingswerk zu sehr abgekupfert...

      Aber die Bezeichnung Thriller, vor allem als Psychothriller, hat dieses Buch eindeutig nicht verdient. Das sagen alle, die das Buch negativ auf Amazon bewertet haben.

      Liebste Grüße,
      Kasia

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  2. Hey,
    harte Worte, aber dein Alltagsbeispiel gehört wirklich nicht in einen Thriller. Solche Seitenfüller (besonders in einer spannenden Geschichte) verägern mich. Gegen altmodische Formulierungen habe ich nichts. Was natürlich Geschmackssache ist. :D
    Mal gucken, ob sie das Buch in der Bücherei haben. Zumindest anlesen würde ich es gerne.
    Viele Grüße, Emmi

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    1. Hi Emmi,

      ja stimmt, die Rezension ist wirklich knallhart ausgefallen. Obwohl ich mit dem Schreiben der Rezension extra gewartet habe.
      Aber viele oftmals unsinnige Seitenfüller, die Alltagsbanalitäten und das Nachahmen eines bestimmten Schreibstils haben mich diesmal wirklich verärgert...

      Wenn Du es liest, bin ich gespannt auf deine Meinung :)

      Liebste Grüße,
      Kasia

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  3. Danke für die Kritik!
    Du sprichst mir aus der Seele, wobei ich das Buch am Ende nicht ganz so "hart" bewertet habe, da mir ihr Schreibstil an sich - vor allem das mit dem Perpektivwechsel ganz gut gefallen hat. Aber die Umsetzung war mal gar nicht meins und spannend wars schon gar nicht ... habs auch direkt durchschaut :/

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    1. Gerade wegen dem Perspektivenwechsel ist meine Bewertung wohl so hart ausgefallen. Alle Bücher von Zoran Drvenkar haben nämlich diesen speziellen Blickwinkel und weil "Still" zum Thrillerhypebuch geworden ist, versucht man das jetzt abzukupfern.
      Und das stört mich!

      Aber auch der ganze Rest: Fehlende Spannung, blasse Figuren, dann die vielen Lebensdramen die zwar erwähnt werden doch nichts mit der Story oder Handlung zu tun haben und eher in ChickLit oder eine Daily Soap passen, aufgesetzte Dialoge, Logikbrüche, Seitenfüller ohne Ende, keine Überraschung, voraussehbares Ende ... Es lies sich zwar flüssig lesen, aber die meiste Zeit habe ich mich dabei gelangweilt. Und außer dem Cover hat mir leider nichts gefallen... Da konnte ich auch bei der Bewertung nicht neutral bleiben.

      Liebste Grüße,
      Kasia

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    2. Ich kenne Zoran Drvenkar (noch) nicht, von daher kann ich hier keinen Vergleich heranziehen. Aber wenn ich das so höre, würde ich wohl auch kritischer vorgehen. Man merkt es ja auch bei anderen Lieblingsautoren, wo man das Gefühl hat, sie werden billig kopiert ;)

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  4. Da mein Mann fleißig meinen SuB liest, werde ich ihn mal nicht vorwarnen und abwarten, was er zu dem Buc meint. Aber ich mache mir immer gerne ein eigenes Bild und lasse mich nicht so schnell abschrecken. Altmodisch formuliert? Hmmm, das fand ich jetzt eigentlich nicht. Aber neugierig bin ich jetzt auf jeden Fall. Durch die sehr kurzen Kapitel (67 auf ca. 330 Seiten) müsste sich das Buch dennoch zügig lesen - vermute ich mal.

    LG,
    Heidi, die Cappuccino-Mama

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    1. Liebe Heidi,

      genau, lass ihn mal in Ruhe lesen. Manchmal verdirbt es mir die Lust, wenn ich grad am Lesen bin und dann von allen Ecken die Meinungen zu einem Buch auf einen stoßen.

      Allein aufgrund der geringen Seitenzahl läßt sich das Buch schon zügig lesen. Bin gespannt auf deine Meinung :)

      Liebste Grüße,
      Kasia

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  5. Ich habe das bUch noch nicht gelesen, überlege schon eine Weile und habe auch ein paar gute wie schleckte Kritiken gelesen. Die Textstellen, die du oben zitiert hast, sprechen mich aber eigentlich eher positiv an. Bei der Duschszene habe ich gleich ein Bild vor Augen gehabt. Ich finde nicht ein Wort überflüssig, im Gegenteil.
    Und dann Psychothriller. Ich stoße in letzter Zeit komischerweise immer häufiger auf Kritiken zu Thriller, in denen bemängelt wird, sie seinen ja kein Psychotriller und dann wird das Buch nur noch durch diese Brille beurteilt. was ich bisher über Hotline gelesen habe, klingt aber schon sehr nach Psychothriller. Ich glaube ja, dass viele Kritiker gar nicht wissen, wie dieser Begriff wirklich definiert ist ^^. Ich hab, da mal nen Link von meiner alten Uni in Kiel rausgesucht: http://filmlexikon.uni-kiel.de/index.php?action=lexikon&tag=det&id=597
    Lg Christina

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    1. Liebe Christina,

      es freut mich, dass ich dir das Buch anhand der Zitate schmackhaft machen konnte! Bei mir kommt es auch vor, dass ich zu einem Buch greife, nachdem ich eine "negative" Rezension gelesen habe - gerade weil mich die Kritikpunkte ansprechen oder die Zitate.

      Ich gebe hier lediglich meine ehrliche Meinung und Empfindungen wieder. Wie schon erwähnt, ich habe zu dem Buch durchaus viele gute Rezensionen gelesen. Mir wären schöne Lesestunden auch lieber gewesen ;)

      Was "Hotline" laut Definition ist und wie es letztendlich für einen rüber kommt - ich denke das sind zwei paar verschiedene Schuhe.

      Für mich ist ein guter (und auf diesem Wort liegt die Betonung) Psychothriller spannungsgeladen, überraschend, man stellt die wildesten Vermutungen an und idealerweise gibt es doch eine ganz andere Auflösung.

      Nicht nur das mir dies bei Hotline gefehlt hat, hinzukommen Logiklöcher, ausscheifende Alltagsbanalitäten, abgekupferter Schreibstil, zu viele Lebensdramen - die dann auch nur am Rand erwähnt werden... Insgesamt war mir das alles zu viel, hat die Geschichte zu unruhig gemacht.

      Deswegen ist dieses Buch für mich kein guter Psychothriller, aber wenn man eine Bezeichnung dafür verwenden muss, dann passt diese wohl allgemein ;)

      Liebste Grüße,
      Kasia

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