Sonntag, 28. September 2014

Hier könnte das Ende der Welt sein - oder ein neuer Anfang...

Hier könnte das Ende der Welt sein

von John Corey Whaley

erschienen im Hanser Verlag












Als ich Dr. Webb nach dem Sinn des Lebens fragte, wurde er recht wortkarg und sagte nur, das Leben habe nicht den einen Sinn, sondern bekomme jeweils den, den man ihm verleihe.
S. 212

Aufgrund der Empfehlung einer lieben Bibliothekarin der Stadtbibliothek Mannheim habe ich die Bekanntschaft mit dem ruhigen, siebzehnjährigen Cullen gemacht. Cullen Witter um genau zu sein.
Cullen Witter wohnt in einer Kleinstadt namens Lilly in Arkansas. Die größten Zukunftsträume die man hier hat, drehen sich darum, die Stadt zu verlassen. Der Enge und Langeweile endlich zu entkommen. Noch ahnt Cullen nicht, was ihm und seiner Familie bevorsteht! Denn die Ereignisse überschlagen sich schneller, als allen lieb ist!

In diesem Sommer stellte ich fest, dass die meisten Leute nicht wissen, wie sie mit ungewöhnlichen Situationen umgehen sollten, beispielsweise mit der, in die meine Familie geraten war. Die Leute hatten einfach keine Ahnung, wie sie helfen, was sie sagen und was sie nicht sagen sollten.
S. 196

Die Geschichte wird aus zwei verschiedenen Perspektiven erzählt.
Cullen Witter erzählt aus der Ich-Perspektive über sein Leben, seine Familie, Freunde und die Schwärmerei zu einem bestimmten Mädchen. Bis hin zu einem speziellen Ereignis, dass Cullens Welt auf den Kopf stellt oder ans Ende der Welt erinnert!
Kapitelweise wechselt er sich mit Benton Sage ab, was ich anfangs etwas verwirrend fand, führen beide auf den ersten Blick doch ein komplett unterschiedliches Leben.
Doch gerade dieser Aspekt und die damit verbundenen Auswirkungen machen die Geschichte zu etwas besonderem! Es zeigt in einer eindringlichen Deutlichkeit, was für Auswirkungen unsere Taten haben, sein sie noch so unbedacht.

Ich sage es mal gerade heraus: Cullen Witter ist ein Sonderling! In seinen Tagträumereien wimmelt es von Zombies und er sammelt Titel für Bücher, die er selbst mal schreiben will, in einem Notizbuch.

Dr. Webb sagt, die meisten Leute sehen die Welt in Schubladen. Sie wollen wissen, wo sie selber und wo andere ihren Platz haben, und können erst richtig zufrieden sein, sagt er, wenn sie ihre Umgebung in klare, stereotype Gruppen eingeteilt haben.
S. 15

Cullens Schublade hat den Aufdruck: Einser-Schüler, der kein Fußball mag und bekommt den Stempel "schwul" zusätzlich oben drauf. Das stört ihn zwar (wenn er etwas anderes behaupten würde, wäre das unglaubwürdig!), aber er ist klug genug sich das nicht anmerken zu lassen. Diese Coolness und Souveränität strahlt er im ganzen Buch aus, was ihn zu einem sehr angenehmen Buchcharakter macht.

Ein richtig schräger Vogel (und alles was daraus folgt) ist Benton Sage! Durch seinen religiösen Eifer hofft er auf die Liebe und Aufmerksamkeit seines Vaters. Doch Eifer kann auch in eine falsche Richtung umschlagen - mit fatalen Auswirkungen! Eigentlich sollte man mit ihm Mitleid haben und das hatte ich auch. Doch die Ereignisse überschlagen sich parallel zu den eigenen Empfindungen gegenüber der Figur.

Den Schreibstil des Autors habe ich als sehr angenehm empfunden und die zwei Erzählperspektiven sorgen für Spannung! Man fiebert regelrecht der Auflösung entgegenfiebert.


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