Mittwoch, 25. September 2013

Lost Girl. Im Schatten der Anderen - erschaffen um den Platz eines Mensches einzunehmen...

Lost Girl. Im Schatten der Anderen

von Sangu Mandanna

erschienen im Ravensburger Buchverlag











„Warum haben meine Nenneltern mich in Auftrag gegeben? Sie könnten dafür ins Gefängnis kommen. Und ich könnte ja ganz anders sein als ihre Tochter. Warum also das Risiko eingehen?“ Mina Ma lächelt ein wenig. „Das hast du mich schon tausendmal gefragt.“ Ich zucke mit den Schultern und warte. „Der Gedanke, ihre Tochter zu verlieren, ist ihnen unerträglich.“ Aber wie immer, wenn ich die Frage stelle, genügt mir diese Antwort nicht. Wenn Amarra sterben würde, was würde ihre Familie bekommen? Mich. Nicht Amarra. Wie kann ein solcher Ersatz das Risiko wert sein, das sie eingegangen sind? 
S. 19

Amarras Eltern haben illegalerweise ein Echo in Auftrag gegeben. Sollte Amarra sterben, wird ihre Doppelgängerin den Platz in der Familie einnehmen. Alle Echos, die es derzeit gibt, sind nur eine Übergangslösung. Das eigentliche Ziel der Meister ist es, eines Tages die menschliche Seele von einem Leib in den anderen verpflanzen zu können. Dann wird es Echos geben, die Gefäße der menschlichen Seele sind. Sie werden freidlich schlafen wie Dornröschen oder Schneewittchen, jahrelang, vielleicht auch für immer. Es sei den, ihre Anderen sterben und sie werden gebraucht. Dann sterben die Anderen zwar körperlich, aber ihr Geist, ihre Seele, überlebt. Sie wird im Echo wiedererwachen, in ihrem Ersatzkörpe. Wir dagegen sind anders Wir haben eigene Gedanken und Gefühle. Das ist ein Makel Die Meister arbeiten noch daran, uns zu vervollkommen. Immerhin haben wir das Gesicht, die Stimme, ein wenig von der Haut und einige geistige Eigenschaften unserer Anderen. Das muss vorerst genügen. 
S.19-20
Deswegen wird Amarra 2, die sich verbotenerweise selbst den Namen Eva gegeben hat, Tag für Tag darauf vorbereitet eine exakte und perfekte Kopie von Amarra zu werden. Eva muss täglich Amarras Verhalten, ihre Vorlieben, ihre Hobbies, und ihre Aussprache üben. Eva trägt nur Kleidung, die Amarra besitzt und darf nur essen, was ihr original ißt. Jegliche Individualität Evas darf es nicht geben. Gar nicht so einfach, wenn man seinen eigenen Willen und seine eigenen Wünsche hat...
Und dann ist es eines Tages soweit. Eva soll Amarras Platz nach deren schwerem Autounfall einnehmen. Doch kann Eva diese Aufgabe erfüllen oder scheitert Sie daran und risikiert nicht nur damit ihr eigenes Leben?


Ich sehe mich im Zimmer um und nehme jedes Detail in mir auf. Ich bin umgeben von einem Leben, das ein anderes Mädchen verloren hat. Es ist komisch, verloren klingt in diesem Zusammenhang nicht richtig. Man verliert seine Schlüssel, sein Handy, seine Lielingsschuhe. Und oft findet man die Sachen einige Tage oder Wochen später wieder, unter dem Sofa oder ganz hinten im Schrank. Aber mit einem Leben, das man verloren hat, ist es anders. Mit einer Tochter, die man verloren hat. Kann man so etwas wiederfinden? 
S. 100

Lost Girl ist ein ausgezeichnetes Buch! Die Geschichte wird aus Evas Sichtweise geschrieben, was den Gewissenskonflikt von Eva noch deutlicher vermittelt. Die Selbstaufgabe, um in ein vorgegebenes Leben zu schlüpfen ist kaum vorstellbar. Aber auch Amarras Situation ist alles andere als einfach! Sie muss ein Leben ohne eigene Geheimnisse, ohne richtige Privatsphäre führen und hasst ihren Klon dafür. Und wie ist es eigentlich für Amarras Eltern? Ist das geschaffene Echo wirklich ein Trost in dieser schweren Zeit? Wie geht man mit so einer Situation um?

Sangu Mandanna hat meiner Meinung nach eine stilvolle Geschichte zu diesem heiklen Thema geschrieben, die zu Herzen geht!




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